Harnsäure / Uric Acid
(HS / UA / URIC)
Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen (Nukleinsäuren-Komponenten) und wird bevorzugt über die Nieren ausgeschieden. Harnsäure kann im Körper sowohl aus purinreichen Nahrungsbestandteilen gewonnen als auch selbst produziert werden (Synthese). Die Harnsäure-Bestimmung ist vor allem für die Diagnose und Verlaufs- sowie Therapiekontrolle der Gicht von Bedeutung, bei der es zur Ansammlung von Harnsäurekristallen (in Gelenken) kommt. Auch für Patienten mit erhöhtem Stoffwechselrisiko bei einer vorliegenden koronaren Herzkrankheit (KHK) und Patienten mit Nierensteinleiden (Nephrolithiasis) sollten die Harnsäurewerte im Blut kontrolliert werden.
Ursachen, die zu erhöhten Harnsäurewerten führen, sind Störungen des Purinstoffwechsels, eine erhöhte ZUfuhr von Purinen mit der Nahrung und eine eingeschränkte Nieren- oder Darmfunktion.
Drei Tage vor Blutentnahme sollte die Ernährung purinarm sein und Arzneimittel sollten abgesetzt werden.
Laborprobe: Blutserum, -plasma, 24h-Sammelurin
Erhöhte Harnsäure-Werte
Wenn die Konzentration im Serum über 6,5 mg/dl liegt, spricht man von Hyperurikämie. Dies gilt als indirekter Risikofaktor der koronaren Herzkrankheit. Wie hoch die Hyperurikämie ausfällt, wird durch Umweltfaktoren beeinflusst (Ernährung, Alkohol, körperliche Aktivität, Arzneimittel).
Hyperurikämien sind entweder erblich bedingt oder erworben. Sie entwickeln sich entweder durch eine Harnsäure-Überproduktion oder bei verminderter Harnsäure-Ausscheidung über die Nieren. Hohe Werte treten zehnmal häufiger bei Männern als bei Frauen auf. Die Komplikationen von erhöhten Werten sind akute Gichtanfälle, chronische Gicht und Nierenerkrankungen.
Diagnosen mit erhöhten Harnsäure-Werten
- Chemotherapie
- Gicht (Arthritis urica), akuter Gichtanfall, Gicht im Kindesalter (Lesch-Nyhan-Syndrom)
- Glykogen-Speicherkrankheiten
- Hungerzustände
- Knochenmarkserkrankungen
- Leukämie
- Nebenschilddrüsenüberfunktion (Hyperparathyreose)
- Niereninsuffizienz
- Polycythämia vera
- Polyglobulie
- Purinreiche Ernährung (Fleisch, Innereien)
- Riesenwuchs (Akromegalie)
- Röntgenbestrahlung
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthereose)
- Schwangerschaftsgestose
- Schwere körperliche oder psychische Belastungen
- Tumoren
- Vergiftungen (Blei, Cadmium, Beryllium)
Gicht- und Nierensteinrisiko
In Abhängigkeit von der Höhe der Werte kommt es unterschiedlich häufig zu Gicht oder Nierensteinleiden.
Gicht
- 7-7,9 mg/dl (416-470 µmol/l) verursachen in 16,7 Prozent der Fälle Gicht.
- 8-8,9 mg/dl (476-529 µmol/l) verursachen in 25 Prozent der Fälle Gicht.
- > 9,0 mg/dl (535 µmol/l) verursachen in 90 Prozent der Fälle Gicht.
Nierensteine
- 5,1-7 mg/dl (303-416 µmol/l) verursachen in 12 Prozent der Fälle ein Nierensteinleiden.
- 7,1-9,0 mg/dl (422-535 µmol/l) verursachen in 19 Prozent der Fälle eine Nierensteinleiden.
- 9,1-11 mg/dl (541-654 µmol/l) verursachen in 26 Prozent der Fälle ein Nierensteinleiden.
- > 11 mg/dl (654 µmol/l) verursachen in 35 Prozent der Fälle ein Nierensteinleiden.
Verminderte Harnsäure-Werte
Wenn die Harnsäurekonzentration im Serum < 2 mg/dl ist, spricht man von Hypourikämie. Verminderte Harnsäurewerte werden vor allem durch eine verminderte Harnsäurebildung (metabolische Hypourikämie), eine erhöhte Harnsäureausscheidung über die Nieren (renale Hypourikämie) oder durch die Kombination beider Störungen verursacht.
Diagnosen mit verminderten Harnsäure-Werten
- Arzneimittel (Röntgenkontrastmittel, Salizylate, Phenylbutazon, Östrogene)
- Gichtmittel (Allopurinol-Überdosis)
- Glukose-Aminosäuren-Diabetes (Fanconi-Syndrom)
- Kupferspeicherkrankheit (Wilson-Krankheit)
- Nierenfunktionsstörungen
- Schwere Lebererkrankungen
- Schwermetallvergiftung
- Purin-Stoffwechselerkrankung (Xanthinurie)
Einflussgrößen für erhöhte Werte
Alkoholgenuss (Bier, Rotwein), Arzneimittel (Diuretika, Salicylate, Cumarine, Kortison, L-Dopa, Schmerzmittel), Bluthochdruck (Hypertonie), Ernährung (fettreich, purinreich, Fasten), Geschlecht (männlich), hohe Blutfettwerte (Hypertriglyzeridämie), Lebensalter, psychischer Stress, Übergewicht (Adipositas), Diabetes mellitus (verminderte Glukosetoleranz, Hyperinsulinämie)
Harnsäure-Werte senken
Ziel der Behandlung von erhöhten Harnsäure-Werten ist die Absenkung auf Werte von 5,0-5,5 mg/dl (297-327 µmol/l).
- Bei Harnsäure-Werten ≤ 9,0 mg/dl (535 µmol/l) ohne weitere Beschwerden sollte die Ernährung umgestellt werden: Alkohol (Bier), Kaffee, üppige Fleischmahlzeiten, Wurst, Innereien und Fleischextrakte vermeiden und täglich mindestens zwei Liter Flüssigkeit trinken.
- Bei Harnsäure-Werten ≤ 9,0 mg/dl (535 µmol/l) mit Gichtanfällen oder Nierensteinleiden sollten Arzneimittel eingesetzt werden, die die Harnsäure senken - etwa Allopurinol, das die Harnsäure-Bildung hemmt.