NOTFALL- & GESUNDHEITSPASS

HEILPFLANZEN & KRÄUTER

DIE HEILKRAFT DER PFLANZEN


Das Wissen um die heilenden Kräfte, die in vielen Pflanzen schlummern, ist uralt. Mit zunehmenden technischen Möglichkeiten kann der Wirkungsgrad einer Pflanze heute bestimmt werden. Unsicherheitfaktoren bei der Anwendung von Heilpflanzen werden so weitgehend ausgeschaltet. Die Abneigung gegen die Einnahme von chemischen Medikamenten steigt. So ist zu verstehen, daß sich die Heilfpflanzentherapie zunehmender Beliebtheit erfreut und zu einem unverzichtbaren Mittel in unserem medizinischen System geworden ist.


Pflanzen dienen uns seit urdenklichen Zeiten als Nahrung, sind Quellle von heilmitteln, aber auch Ursache von Vergiftungen. Die Grenze zwischen Nahrung, Arznei und Gift lässt sich nicht genau ziehen, kommt es dabei doch immer auf Dosis und Zubereitungsart an. Bohnenkerne zum Beispiel sind ein Nahrungsmittel - roh jedoch können wir uns daran vergiften, die grünen Schoten wiederum sind heilkräftig. Weil daa so kompliziert ist, sammelten ganze Generationen und Völker Erfahrungen über die einzelnen Pflanzen und ihre günstigsten und ungünstigsten Wirkungen. Viele dieser Erkenntnisse werden auch von der heutigen Medizin genutzt. Zahlreiche Arten wurden schon eingehend erforscht, aber die meisten sind noch gar nicht entdeckt.

Heilpflanzen eignen  sich gut zur Vorbeugung und zur Behandlung von leichteren Beschwerden. Sie bewähren sich auch oft bei chronischen Erkrankungen. Ihr großer Vorteil ist, dass sie, bis auf wenige Ausnahmen, keine Nebenwirkungen hervorrufen. Mitunter helfen sie auch bei akuten Erkrankungen, meistens jedoch treten ihre Wirkungen langsamer ein.

Pflanzliche Zubereitungen sind sehr  wirksam, doch muss man wissen, wie man sie anwendet, denn auch Heilpflanzen können schaden. Das betrifft nicht nur die Dosis, sondern auch die Art der Anwendung. Heilpflanzen sollten niemals die ärztliche Betreuung ersetzen, sondern immer nur unterstützende Mittel sein. Stark wirkende Heilpflanzen sollten überhaupt nur unter ärztlicher Kontrolle angewendet werden.

Dieses Kapitel macht mit häufig angewandten, aber auch mit einigen weniger gebräuchlichen Heilpflanzen bekannt, die in Europa wachsen.


Es gibt verschiedene Möglichkeiten sich mit Heilkräutern zu versorgen. Einige kann man selbst sammeln und trocknen, beispielsweise bei einem Familienausflug in die Natur. Viele  kann man getrocknet, entweder lose oder abgepackt in der Apotheke, im Reformhaus oder in in einem Tee- oder Kräuterladen kaufen. Und schließlich gibt es fertige Zubereitungen als Pulver, Pasten, Teemischungen, Dragees, Salben oder in anderen Darreichungsformen.


Grundregeln für Heilpflanzensammler



Sammeln und Trocknen


Durch Trocknung wird aus einer Heilpflanze eine Droge. Um Missverständnisse zu vermeiden. Droge ist der Fachbegriff für getrocknete Pflanzen oder deren Teile - es handelt sich hier natürlich nicht um Betäubungsmittel.

Wir trocknen im Schatten bei ausreichender Frischluftzufuhr und Temperaturen bis höchstens 40° c. Nach dem Sammeln breiten wir die Pflanzen so bald wie möglich in einer dünnen Schicht auf einem Netz, sauberem Papier oder Stoff aus und trocknen entweder bei natürlicher Wärme oder über einem Heizkörper. Braun oder rot werdende Pflanzenteile sortieren wir aus. Eine fertig getrocknete Pflanze erkennen wir daran, dass sie sich nicht biegen lässt, sondern bricht. Wir schneiden oder mahlen nur völlig trockene Pflanzen. Gelagert werden sie trocken und dunkel, am besten in luftdicht verschlossenen Behältern.

Wurzeln und Wurzelstöcke werden überwiegend im Frühjahr oder Herbst gesammelt. Sie werden kurz unter kaltem Wasser gewaschen, starke und fleischige Exemplare werden längs halbiert und dann getrocknet. Blüten sammelt man kurz nach dem Aufblühen, einige schon vorher, weil sie beim Trocknen zu Früchten reifen würden. Die günstigste Zeit ist um Mittag herum. Wir bemühen uns, sie nicht zu zerdrücken oder erhitzen. Rinde wird im Frühjahr oder Herbst gesammelt, meist von jungen Zweigen umgestürzter Bäume.


Anwendungen und Arzneiformen


Heilkräuter wirken langsamer als chemische Medikamente, oft zeigt sich ihre Wirkung erst nach mehreren tagen. Die Heilung landläufiger Beschwerden dauert etwa  einen Monat. Bei chronischen Krankheiten gehen wir nach 2 bis 3 Monaten der Anwendung zu einer anderen Pflanze oder Mischung über. Vorbeugung findet am besten  in Form einer heilkur von etwa einem bis zwei Monate Dauer statt.

Hier die häufigsten Zubereitungsarten. Abweichende Zubereitungen oder Darreichungsformen sind bei der entsprechenden Pflanze extra angegeben.


Aufguss (Tee):

Auf 100 ml Wasser 1 TL frische oder getrocknete Kräuter (auf 250 ml Wasser 1 EL). Wir übergießen die Kräuter mit kochendem Wasser, lassen den Aufguss 15 Minuten zugedeckt ziehen und seihen dann ab. Nicht süßen. Einige Tees kann man nach dem Abkühlen (um die wertvollen Inhaltsstoffe zu erhalten) mit Honig süßen.


Abkochung (Absud):
Dosierung wie beim Aufguss. Die Droge wird mit kaltem Wasser übergossen und zum Kochen gebracht. 3 bis 10 Minuten gekocht, 10 bis 15 Minuten zugedeckt ausgezogen und dann abgeseiht.


Kaltauszug (Mazerat):
Dosierung wie beim Aufguss. Droge mit kaltem, abgekochtem Wasser übergießen und 8 bis 10 Stunden zugedeckt stehen lassen. So werden die meisten Pflanzen zubereitet, die Schleim oder hitzeempfindliche Stoffe enthalten, denn diese würden beim Kochen zerstört.


Tinktur:
Einnen Teil Droge übergießen wir mit 5 Teilen 60-bis-70-prozentigem Alkohol (Abwiegen erforderlich!). Bei Zimmertemperatur 1-2 Wochen stehen lassen, tägl. schütteln. Danach filtern. Frische Kräuter werden im Verhältnis 1:4 zubereitet, stark wirkende Pflanzen 1:10. Die Tinktur wird getrunken oder in ein Glas Wasser getropft.


Arzneiwein:

Wird wie eine Abkochung (Absud), ein Aufguss (Tee) oder Kaltauszug (Mazerat) zubereitet, nur unter Zuhilfenahme von Wein. An Weißweinen eignet sich Riesling, beim Rotwein spielt die Sorte keine Rolle. Kühl verabreichen. Diese Rezepte sind ausführlich beschrieben.


Kräuterbalsam:

70 g frische (besser geeignet) oder getrocknete Pflanzen mit 150 g (etwa 175 ml) 40-prozentigem Alkohol übergießen und schütteln. Nach 3 Tagen 200 g Honig dazugeben und schütteln. Am Folgetag ist der Balsam gebrauchsfertig. 4x tägl. 1 TL verabreichen.


Säfte:

Werden frisch verwendet, lassen sich aber bei kühler Lagerung konservieren. Sie werden kalt im Entsafter oder unter minimaler Wasserzugabe im Mixer verarbeitet und anschließend ausgepresst. Halten sich im Kühlschrank 2-3 Tage. Dosierung einhalten.


Salben:

Unter der Salbengrundlage - meist  Fett - mischen wir die fein pulverisierte oder geschnittene Droge und erwärmen die Mischung eine halbe Stunde im Wasserbad. Wir können sofort abseihen oder erst am nächsten Tag. Eine andere Möglichkeit ist, eine Tinktur in die Salbengrundlage zu geben und den Alkohol im Wasserbad zu verdampfen.


Umschläge (Kompressen):

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten.

1. Ein Leinentuch in einen Aufguss oder eine Abkochung tauchen, verbinden.

2. Zerquetschung oder zerstoßene frische Blätter auflegen (gegebenenfalls auch getrocknet und in wenig Wasser aufgekocht), verbinden.

3. Die Blätter einige Sekunden lang in eine Pfanne mit zerlassenem Fett legen, nach dem Abkühlen auflegen und die Kompresse mit einem verband fixieren.

4. Die pulverisierte Droge mit Mehl zu einem Teig mischen und auftragen.


Bäder:
Temperatur um 37° c. Vollbäder zwei- bis dreimal wöchentlich, 10 bis 30 Min. Eine Kur beinhaltet 10 Bäder, dann 2 bis 3 Wochen Pause. Teilbäder 15 Min. In heißem Wasser, von unterschiedlicher Häufigkeit. Die Dosis je Bad sind 100 bis 1000 g Kräuter (für teilbäder entsprechend weniger) in einem Leinensäckchen, das in die Wanne gelegt wird. Vorsicht: Bäder für ältere oder schwer erkrankte Personen am besten nur nach Konsultation des Arztes anwenden.

Einreibungen:

Werden meist mit verdünnten oder unverdünnten Tinkturen oder speziellen Zubereitungen vorgenommen, dünn auftragen.


Heilöle:

Pflanzen in Öl ausziehen, am besten eignen sich Erdnussöl, Keimöl, Sonnenblumen- oder Olivenöl. Auf 1 Teil Droge geben wir 7 Teile Öl. Im Wasserbad eine halbe Stunde erhitzen und 5 bis 7 Tage stehen lassen, dann abseihen.


Pulver:
Die gut durchgetrocknete Droge fein mahlen, beispielsweise in einer Kaffeemühle. Anschließend im Mörser zerreiben.


Bei den Heilpflanzen und -kräutern unterscheiden wir:

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